Internationales Interesse an CO2-Differenzverträgen wächst
© Projektträger Jülich / Forschungszentrum Jülich GmbH
Delegationen aus Südkorea, Indien und Australien zu Besuch
Internationales Interesse an CO2-Differenzverträgen wächst
28.07.2026 | Im Juni und Juli 2026 begrüßte das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) mehrere internationale Delegationen aus Südkorea, Indien und Australien zu Fachgesprächen über die Ausgestaltung und Umsetzung des Förderinstruments. Im Mittelpunkt standen Erfahrungen aus Deutschland sowie Fragen zur Finanzierung der industriellen Dekarbonisierung.
Die Delegationsbesuche unterstreichen die internationale Aufmerksamkeit, die das deutsche Modell der CO2-Differenzverträge inzwischen erfährt. Das Instrument gilt weltweit als innovativer Ansatz, um Unternehmen bei Investitionen in CO2-arme Produktionsverfahren zu unterstützen und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Industrien zu sichern.
In den Gesprächen standen neben den grundlegenden Funktionsweisen des Instruments insbesondere Fragen zur praktischen Umsetzung, zum Fördermechanismus und zur Einbettung in bestehende Emissionshandelssysteme im Fokus. Die Vertreterinnen und Vertreter des BMWE sowie der beiden Projektträger PtJ und VDI/VDE-IT berichteten dabei von ihren Erfahrungen aus der bisherigen Programmdurchführung.
Südkorea bereitet eigenes Pilotprogramm vor
Den Auftakt machte am 3. Juni 2026 eine Delegation aus Südkorea. Vertreter des Ministeriums für Klima, Umwelt und Energie sowie der Korea Environment Corporation (K-eco) informierten sich im BMWE über die deutschen Erfahrungen mit CO2-Differenzverträgen.
Besonderes Interesse galt den Planungen Südkoreas, das bereits ein eigenes Förderprogramm gestartet hat. Die Delegation berichtete von aktuellen Entwicklungen innerhalb der Regierung, insbesondere über finanzielle Risiken und mögliche Wechselwirkungen mit dem koreanischen Emissionshandelssystem (K-ETS). Dabei standen Fragen zur Bewertung von Technologierisiken, zur Vermeidung ineffizienter Förderungen sowie zu möglichen Auswirkungen auf den CO2-Preis im Mittelpunkt.
Bei einem weiteren Treffen der Koreanischen Energie Agentur (KEA) mit dem PtJ Ende Juli wurden detaillierte Fragen der Gebotsbewertung, der Zuschlagserteilung und des Monitorings besprochen. Beide Programme wurden miteinander verglichen und Übertragbarkeiten des deutschen CCfDs auf das koreanische Programm identifiziert.
Darüber hinaus diskutierten die Teilnehmenden über Methoden zur Ermittlung von Förderhöchstpreisen und über die Erfahrungen aus den deutschen Vorverfahren.
Indien sucht Finanzierungslösungen für die industrielle Dekarbonisierung
Am 9. Juni kam eine zwölfköpfige Delegation aus Indien im Rahmen einer vom Asia Society Policy Institute (ASPI) organisierten Studienreise nach Berlin. Zu den Teilnehmenden gehörten hochrangige Vertreter nationaler und regionaler Regierungsstellen, von Industrieunternehmen und Branchenverbänden sowie wissenschaftlicher Einrichtungen.
Hintergrund des Besuchs ist der Beschluss der indischen Regierung aus dem Jahr 2022, ein nationales Emissionshandelssystem einzuführen. Im März 2026 nahm das Indian Carbon Market Portal als zentrale Plattform des neuen Systems seinen Betrieb auf. Im Unterschied zum EU-Emissionshandel (EU ETS) basiert das sogenannte Carbon Credit Trading Scheme (CCTS) nicht auf einer absoluten Emissionsobergrenze, sondern auf Emissionsintensitätszielen.
Das CCTS bildet den Kern des entstehenden indischen CO2-Marktes. Es umfasst bereits mehrere energieintensive Industriesektoren und soll Investitionen in emissionsarme Produktionsverfahren fördern sowie die industrielle Transformation unterstützen. Vor diesem Hintergrund bot der Austausch zu den deutschen CO2-Differenzverträgen wertvolle Einblicke in ein ergänzendes Förderinstrument.
Im Rahmen eines Fachvortrags wurden Ziele, Funktionsweise und Governance-Strukturen des deutschen Programms vorgestellt. Im Anschluss entspann sich eine lebhafte Diskussion zu den Wechselwirkungen mit dem europäischen Emissionshandelssystem, zur Höhe der erwarteten Emissionsminderungen sowie zur Finanzierung der Projekte in der Zeit zwischen Investitionsentscheidung und Beginn der Förderzahlungen.
Für besonderes Interesse sorgte zudem die Präsentation eines geförderten Industrieprojekts durch den Chemiekonzern BASF. Die Einblicke in die praktische Umsetzung eines Transformationsvorhabens und den konkreten Nutzen der Förderung wurden von den Teilnehmenden als wertvolle Ergänzung zu den politischen und regulatorischen Aspekten wahrgenommen.
Erfahrungsaustausch mit Australien
Am 11. Juni besuchte schließlich eine australische Delegation im Rahmen der Deutsch-Australischen Energie- und Klimapartnerschaft das BMWE. Die Gruppe setzte sich aus Fachleuten aus Politik, Industrie und Forschung zusammen und widmete sich dem Austausch über Transformationspfade für die Industrie sowie mögliche Kooperationsansätze zwischen beiden Ländern.
Im Mittelpunkt des Besuchs standen die Vorstellung der deutschen CO2-Differenzverträge sowie ein Erfahrungsaustausch zum Wasserstoffmarkthochlauf in beiden Ländern. Die australische Delegation zeigte dabei großes Interesse an den deutschen Erfahrungen mit Carbon Contracts for Difference.
Internationaler Dialog gewinnt an Bedeutung
Die Gespräche machen deutlich, dass die Dekarbonisierung der energieintensiven Industrie Staaten auf der ganzen Welt vor ähnliche Herausforderungen stellt: Wie lassen sich Investitionen in CO2-arme Technologien anreizen? Wie können Förderprogramme effizient ausgestaltet werden? Und wie lassen sich diese mit bestehenden oder neu entstehenden Emissionshandelssystemen verzahnen?
Der kontinuierliche Austausch mit internationalen Partnern bietet dabei allen Seiten die Möglichkeit, Erfahrungen zu teilen, voneinander zu lernen und die Entwicklung wirksamer Instrumente für die industrielle Transformation weltweit zu unterstützen.